Die Silbe Hung

Die Heilkraft tibetischer YOGIS
Kennen Sie die nahezu magische Wirkung eines Mantras? Nach der Lehre der tibetischen Medizin hat jede Krankheit, die sich körperlich manifestiert, einen Ursprung auf der energetischen Ebene eines Menschen. Für fast jede Erkrankung gibt es ein spezifisches Mantra, eine heilige Melodie. Dieses Mantra kommt wie ein Medikament zum Einsatz und kann erstaunliche Erfolge erzielen. Es handelt sich um eine Geheimlehre.

Das Mantra OM AH HUNG
Das bekannteste aller tibetischen Mantras ist sicherlich das Dreisilbenmantra OM AH HUNG

Diese “heiligen” drei Silben gelten als das Mantra, das alle anderen Mantras beinhaltet. Es gibt mehrere Erklärungen, weshalb das so ist. Die drei Silben repräsentieren, wie bereits erwähnt, die drei Zeitalter – Kayas – oder, auf den Menschen übertragen: den reinen Körper (OM), die reine Rede (AH) und den reinen oder ursprünglichen Geist des Buddha (HUNG). Jeder Mensch kann zum Buddha erwachen, er muss nur die Natur des Geistes und aller Phänomene erkennen und sich aus dem Kreislauf von Leid, Tod und Wiedergeburt befreien. Die Silbe OM steht in Verbindung zum Kopf-Chakra und dem Körper, AH wirkt auf das Hals-Chakra und ist für den Ausdruck eines Menschen massgeblich. HUNG ist die Silbe für die Herzsphäre, Repräsentant des Geistes.

OM AH HUNG ist ein alchimistischer Schlüssel, mit dessen Kraft alles gereinigt, umgewandelt und vermehrt werden kann. Die Chakras können durch Rezitation von OM AH HUNG energetisch gereinigt und stabilisiert werden. OM AH HUNG oder OM MA NI PAD ME HUNG eignet sich hervorragend dazu, z.B. während des Duschens leise vor sich hin gesprochen zu werden. Dadurch wird nicht nur der physische Körper gereinigt, sondern auch alle anderen feinstofflichen Ebenen des menschlichen Daseins. Diese drei Silben stehen in direkter Verbindung mit unserem Atem. Der Yogi kennt das innere geheime Mantra, das verbunden mit dem Atem in seinem Energiekreislauf wirken wird. OM bezieht sich auf ein Einatmen, AH erklingt während einer Atempause, und HUNG ist der Klang, der in Verbindung mit der Ausatmung die im Körper zirkulierende Energie wieder ausstösst.

OM AH HUNG ist also der Klang des natürlichen Atemvorgangs. In Tibet sagt man, dass der Atem unmittelbar mit dem Karma verbunden ist. Wir können an uns selbst beobachten, dass sich unser Atem bei jeder Gefühlsregung verändert. Wir atmen anders, wenn wir uns freuen, traurig sind, uns ärgern, wütend sind, Angst haben oder Hass empfinden. Die Qualität des Pranas, das wir einatmen, entspricht der jeweiligen Verfassung, in der wir uns befinden. Diese Energie stimuliert und prägt all unsere feinstofflichen Energiezentren und Kanäle und manifestiert sich schließlich auch im physischen Körper als gesund, oder eben als krank! Die natürliche Einatmung bringt also ganz von allein den Klang OM hervor. Der Atem und das damit verbundene Prana  fließen auf natürliche Weise in den unteren Bereich des Rumpfes, wo sie sich vier Finger breit unter dem Bauchnabel in einer minimalen Atempause sammeln. Diese Atempause entspricht der Natur des Klanges AH.

Die Qualität der dann folgenden, natürlichen Ausatmung generiert den Klang HUNG. Wir sehen also, dass die Funktion des Atmens nicht nur ein Einatmen von Luft durch die Nasenlöcher in die Lungen ist, sondern in Bezug auf unser Energiesystem einen erheblich größeren Stellenwert einnimmt. Nicht umsonst sagt man “Atem ist Leben”. Der durch die natürliche Atmung entstehende Energiefluss hat die Kraft, alle Heilfunktionen des Körpers anzuregen. Der Klang HUNG kann sehr kraft- bzw. “zornvoll” sein. Wenn wir ein HUNG laut ausstoßen, kann es die Kraft eines Boxhiebes entwickeln. So ist HUNG jene Energie, die durch alle Hindernisse, sogar durch Wände schallt und alle mentalen und physischen Blockaden zu brechen in der Lage ist.

Quelle: Tibetisches Mantraheilen, Rangdrol Tobkyi Dorje